Saturday, February 11, 2006

Thaipusam

In Singapur wird gerne und viel gefeiert - heute ist Thaipusam, ein sehr dramatisches hinduistisches Fest. Vielleicht erinnert sich noch jemand, bereits im November hatten wir es kurz erwähnt, als wir auf Sentosa in einer Ausstellung waren (klick HIER ) und versprochen, dass wir im Februar sicher mehr darüber berichten können.
Heute ist es nun soweit, es istVollmond im Monat Thai, dem zehnten Monat im hinduistischen Kalender, und der Stern Pusam hat seinen höchsten Stand erreicht, und Little India verwandelt sich hierzulande in einen makabren Schauplatz.

Leute mit schwachen Nerven sollten sich diesen Blog lieber nicht so genau angucken, denn was man bei diesem Fest zu sehen bekommt, geht unter die Haut - im wahrsten Sinne des Wortes.

Am Thaipusamfest wird Buße getan, Opfer dargebracht, den Göttern gedankt und dies in Form von Schmerz. Sechs Wochen lang bereiten sich die Hingebenden (="Devotees") auf dieses Festival vor, indem sie auf Sex, Alkohol, Zigaretten und Fleisch verzichten und nur einmal am Tag gegessen haben.
Voraussetzungen, um an Thaipusam einen Minitempel ("kavadi") und/oder Speer ("vel") zu tragen.
Letzte Nacht versammelten sich die Devotees dann weit vor Sonnenaufgang im Sri Srinivasa Perumal Tempel (na, wer kennt den??) und begannen mit der Zeremonie.

Kleine Silberhaken werden an Brust und Rücken befestigt, daran hängen teilweise Limetten, kleine Gefäße oder lange Stangen vom kavadi. Durch beide Wangen wird ein Speer gestochen und zumeist kommt auch noch einer durch die Zunge. Alles wird vorher mit geheiligter Kuhdungasche geweiht, es tritt kaum Blut aus, die Männer befinden sich wie in Trance.


Die Kavadis können wohl bis zu 60kg wiegen und mit diesen Minitempeln auf den Schultern treten die Devotees ihren 3km langen Marsch durch Singapurs Strassen an. Begleitet werden sie dabei von Freunden und Verwandten, die laut singend oder still betend um sie herumlaufen.


Interessant finden wir, dass dieses Fest in Indien selbst schon seit Jahren verboten ist und noch in Malaysia, Singapur und Thailand alljährlich zelebriert wird.
Wer noch mehr über Thaipusam erfahren möchte, sollte einfach mal "googeln", es gibt einige nette Berichte dazu (z.B. vom vergangenen Jahr im Spiegel oder der FAZ).

2 comments:

Mel said...

Ich finde es spannend, dass es Religions- und Kulturübergreifend immer wieder ähnliche Dinge gibt...So genannte Christen, die sich Ostern an irgendwelche Kreuze nageln lassen, natürlich auch nach entsprechender Fastenzeit vorher...Moslems, die sich selbstmörderisch in die Luft jagen (wenn auch mit etwas anderem Hintergrund, schon klar), hier die Hindus, die sich selber quälen...schon faszinierend.

Die Berner haben da auch was zu bieten, davon berichte ich dann nächstes Jahr: Den "Ziebelemärit". Die Grundidee: Man geht im kalten November bereits nachts in die Stadt und lässt sich mit Konfetti und Zwiebeln einsauen...finde, das hat auch was sado-masochistisches ;-)

Frostig-sonnige Grüsse!

Anonymous said...

Hallo,
oh man, das hab ich verpaßt? gern wäre ich dabei gewesen....Aber es wird einem schon ganz schauderig, wenn man die Bilder genauer ansieht.

Und zur aktuellen Preisfrage: Ich -ich kenne den Tempel, hab erst neulig mit ner lieben Freundin davor gestanden. :-)

Seit ihr denn schon in aller Herrgottsfrühe aufgestanden, um das mitzuerleben?

Nehmen die eigentlich vorher etwas ein, damit sie so in Trance geraten? Was für Schmerzen - aua!!!

Bis bald!!